20. August 2010

Durch die Jahre mit dem Körper

Als Babys kommen wir wissend zur Welt. Wir werden mit Eltern konfrontiert, die keine Ahnung mehr haben von den Wundern des Universums. Weil wir keine Wahl haben, allein nicht lebensfähig sind, lassen wir uns auf ihre desolate Situation ein. Als mitfühlende Wesen, teilen wir die Ängste und Nöte der Eltern, bedauern sie sogar .
Erwachsene werden uns immer als Autoritäten vorgestellt, aber in dem, was sie tun, können wir oft ihre Hilflosigkeit erkennen.

Als Kinder sind wir noch wild, wenn man uns läßt. Es sollte die erste schönste Zeit unseres Lebens sein, aber so wie unsere Gedanken geformt werden, (ver-) formen sich auch unsere Körper.
Wir lernen alles zu verstecken, was "reizen" könnte, es wird uns gesagt, was anständig und normal ist,...in die Form paßt.

Als Teenies werden wir neugierig, erkunden unseren Köper, aber lernen gleichermaßen, besonders als Mädchen, dass es besser ist unser Aufblühen zu verstecken, nicht viel Fagen zu stellen, den Mund zu halten, und es wird uns gesagt, dass unser mächtigstes Werkzeug etwas schmutziges ist. Wir nehmen es hin.

Als Twenty brechen wir aus, begehren auf, suchen nach dem vermeindlichen Märchenprinzen, der Ritter auf dem weißen Roß, der uns rettet, und steigen auf in die Riege der Mütter, heiraten, führen Haushalte, finden uns vor Arbeit und Streß nicht wieder. Unser Körper hat zu funktionieren, nicht zu empfinden.

Anfang dreisig ist dann alles totgeschlagen, im Innen wie im Außen, zur Not mit "wohlgemeinten" Hilfsmitteln, beendet die kurze, wilde Zeit der Lust. Was wirklich wichtig für uns wäre, haben wir vergessen, warum wir einst auf diese Welt gekommen sind, und unsere Mütter haben es uns bis heute nicht gesagt. Hinter Wäschebergen und Kochtöpfen fristen wir unser Leben und merken, schon irgendwo, dass es so nicht ewig weiter gehen kann, denn der Körper meldet langsam "Alarm"!

In den Vierzigern sollten wir dann langsam lernen auf unseren Körper zu hören, Abstriche zu machen, auf uns selbst zu achten, nicht nur für andere da zu sein. Wir bemerken sehr schnell, dass wir nicht mehr so tau frische sind wie einst. Ein Umdenken muss her. Der eigene Körper und auch die Seele, unser Innenleben schreit nach Pflege,.....um zu erinnern, rückzu(ver)binden....Ist es bis dahin nicht geschehen, wird es jetzt höchste Zeit dafür.

Beginnt man die Fünfzig, möchte Frau schon alles, was lästig ist abgelegt haben, heraus treten aus Zwängen und Engen, denn wenn sie das letzte bischen Energie aus ihren Köper für unsinnige Dinge holt, auch die immer mehr werdenden Stunden vor dem Spiegel, der zeigt, wo der "Schwerpunkt" liegt,.....bleibt bald nicht mehr viel, was das Leben lebenswert macht. Die Depris haben sich bereits im Körper manifestiert. Dann ist eine Lebensumkehr dringend von Nöten, bevor der Körper seine Funktion einstellt.
Was haben wir nur getan in den ganzen Jahren? Wo ist die Zeit geblieben?
Mit sechzig zeigt die faltige Haut die tausend Erinnerungen des Lebens und die Erfahrungen, die uns weise gemacht haben sollten.

Bequemlichkeit, auch in der Kleidung, geht schon lange vor Schönheit, denn wir sind eh schon fast unsichtbar am Rande der Gesellschaft.
Und haben wir uns bis jetzt noch nicht mit dem Tod auseinander gesetzt, ist es schon fast zu spät..
....dann ....Omi: "Gute Nacht."

Ein Satz, der mir in den Kopf kommt: Ich steh´nicht mehr unter dem Zwang erklären zu müssen.......geh´immer aufrechter.
Meine heutige Befindlichkeit: Melancholisch bis heiter....mit einer Träne lachend.
Tagesbilanz: Ein super sonniger Tag.....mit viel Arbeit. Berge von Wäsche, die liegen geblieben waren.
Jörg ist jetzt mutiger als ich. Er freut sich auf die neue Wohnung, und als wir vorbei fuhren rief er ihr zu:"Wohnung, wir kommen!"

Kommentare:

MOONDAUGHTER hat gesagt…

In deinem Bericht hab ich mich teilweise wiedergefunden, nur die Riege der Mütter hab ich nicht durchlebt.Auch mein Körper hat vor ca.3 Jahren Alarm gerufen und seitdem bin ich fast mit mir, meiner Hülle und der Seele im Reinen.Jetzt mit Anfang 40 lebe ich meine Wahrheit undkümmer mich nicht darum, was andere von mir denken...das war vor einigen Jahren noch anders..

Sonnige Grüße an dich!

Neckarstrand hat gesagt…

Nun ja, wenn ich ehrlich bin, liebe Rosi, kann ich in vielem Dingen nicht mit Dir konform gehen.
Jedes Leben verläuft eben anders und ich kann nicht sagen, daß ich mich immer nur verleugnet habe.
Liebe Grüße und einen schönen abend wünscht Dir
Irmi

Waldameise hat gesagt…

Liebe Rosi,

damit es nicht so drastisch kommt, müssen wir kämpfen, auf unser Innerstes hören, tun, was uns herausfordert, was uns Freude macht, Schwächeren helfen und uns all der Dinge bewusst werden, die so gern in den Hintergrund gedrängt werden. Auch, wenn es manchmal schwer fällt, wir haben es in der Hand.

Ich wünsch dir auch viel Schaffenskraft für euren Um- und Einzug. Ein neuer Lebensabschnitt ... das gibt Kraft und Mut, gell?

Hab ein schönes Wochenende,
liebe Grüße
von der Waldameise

katinka hat gesagt…

Einiges kann ich nachvollziehen, einiges aber auch nicht - jeder ist eben anders.
Zum Beispiel habe ich die 30er nicht als einengend empfunden, im Gegenteil.
Die 40 er und weitere folgen er noch ;-)

liebe Grüße und ein schönes sonniges Wochenende
Katinka

Grey Owl Calluna hat gesagt…

Liebe Mondtochter!
Mein Körper hat in den Dreisigern Alarm gerufen, aber nicht, weil ich nur mein Leben hinter Kochtöpfen und Wäschebergen verbrachte, sondern eben noch mehr wollte und noch arbeitet.....DAS war zu viel. Auch das dauernde Bedürfnis perfekt sein zu wollen, alles können zu müssen....NEIN....schon lange nicht mehr!
Ich wollte damals alles auf einmal sein, Mutter, Geliebt, Alleinerziehende, Sichselbstversorgende, Schöne, Kraftvolle..........bis ich merkte, das dies unmöglich ist....
In dem Sinne habe ich weiter gedacht....bis heute so Vieles abgelegt, und das Leben ist so viel leichter!
Ganz liebe Grüße
Grey Owl

Grey Owl Calluna hat gesagt…

Liebe Irmi!
Selbstverständlich hast Du recht. Jedes Leben verläuft anders. Meines ist ja auch nicht genau so verlaufen.
Wäre ja furchtbar, wenn alle das Gleiche erlebt hätten.
Aber im Großen ganzen war die Erziehung und der Verlauf so oder so ähnlich.
Liebe Grüße
Rosi







Liebe Waldameise!
Dass Problem ist meist, dass es eine ganze Weile dauert, bevor einem ein Licht aufgeht. Und meist bedarf es auch eines gewissen kleinen Anstoßes, von wo auch immer der herkonmt.

Was den Umzug betrifft habe ich Schiß vor der vielen Arbeit....pffff.....Ich wünschte, es wäre schon alles in Sack und Tüten...
Aber Du hast schon recht, ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Das macht auch Mut. Man hat alles x Mal durchdacht und weiß, dass es so wie jetzt nicht ewig weiter gehen kann und wird.
Ganz liebe Grüße an Dich
Rosi







Liebe Katinka!
Natürlich kann ich auch nur über die Fünfziger und Sechziger mutmaßen, mache mir aber schon so meine Gedanken, obwohl frau da auch nicht vorgreifen sollte.
Bei mir ist auch nicht alles genau so verlaufen.
Durch Krankheit wurde ich eigentlich von der alternden Partymaus in die Omazeit katapultiert. Damit mußte ich erst mal fertig werden.....zu dieser Zeit. Zumindest habe ich es in gewisser Weise so empfunden.
Liebe Grüße
Grey Owl

Netty hat gesagt…

Wenn man jung ist, dann ist man mit dem Körper oft nicht zufrieden und wenn man älter wird, dann wünscht man sich oft den jungen Körper zurück und wundert sich wie dumm man früher doch war.

Im Moment liebe ich meinen Körper und habe ein ganz anderes Körpergefühl bekommen, obwohl ich alles andere als perfekt bin, strahle ich es aus. Familie und Freunde haben mich schon darauf angesprochen. Ich hätte nicht gedacht, das man es so sehen kann.

Körper und Seele müssen im Einklang sein und dann geht es einem gut.

Ich wünsche Euch noch einen schönen Sonntag und schicke viele liebe Grüße

Netty :)