30. April 2017

Sonntag, den 30. April 2017



Sonntag, den  30. April 2017 

Tagesbericht und –gedanken

Eine Essay zu einem mir schon seit langem wichtig gewordenen Thema:

Es ist die Art der Männer, sich über Kämpfe zu definiere. Welcher Art auch immer. Es geht darum, WER der BESTE ist. Und hier MUSS es nicht zwangsläufig körperlich werden. In unserer Zeit haben Männer gelernt, auch verbal zu kämpfen, oder sich mit  dem Verstand zu messen. Aber im Allgemeinen wird doch der maskulin körperliche Kampf bevorzugt. Archaisch halt, wie Männer so sind.
Worauf ich hinaus will, ist der Boxkampf am gestrigen Abend.

Nach diesem gestrigen Kampf, bin ich in Resümee gegangen. Zurück in der Zeit. Erinnerte mich daran, wie lange ich eigentlich bereits Boxen schau‘. Das sind gute vierzig Jahre. Wahnsinn eigentlich. Da kann frau doch wehmütig, fast melancholisch werden. So lange ist das schon her.
Zur damaligen Zeit, in der DDR, wurden immer die Boxkämpfe aus Halle übertragen. In der „Jungen Welt“ (Das war die Zeitung für die FDJ-ler)  waren die Ansetzungen zu sehen und es waren auch viele Kämpfer aus dem Ausland dabei. Die meisten zwar aus dem Sozialistischen, wie Kuba, Ungarn und der Sowjetunion. Aber es kamen auch Männer aus Amerika. Damals war ich noch voll auf „schwarz-braun“ gepolt und sah diesen hübschen, damals noch jungen, dunkelhäutigen Mann, der sich später „Shugar Ray Leonard“ nannte. Ich sah ihn noch OHNE das „Shugar“ vor seinen Namen. Als Amateur so zu sagen. Als seine Karriere begann. Heute sieht man ihn manchmal noch in Serien oder Filmen. Er hat es in jedem Fall geschafft, trotz schwieriger Zeiten (die er zum Teil selbst verursachte. – Wenn Leute berühmt werden, kommen sie oft nicht damit klar. Verschleudern ihr Geld, nehmen Drogen und er war auch gegen seine Frauen gewalttätig. Habe ich erst viel später gelesen.) bis heute durchzuhalten und halbwegs „oben“ zu bleiben.
Na ja, egal. Jedenfalls stellte ich mir schon oft die Frage, WIE kam ich denn überhaupt dazu, mich fürs Boxen zu interessieren?
An dieser Stelle sei eingewandte, dass ich ein „Vater-Kind“ bin und DER hat früher, als er noch als Polizist tätig war, geboxt. Er erzählte mir immer davon und als „Vater-Tochter“ war ich natürlich stolz auf ihn und ich glaube, so entstand das Interesse am Boxen überhaupt.
Später zu, als es dann konkreter wurde, so in den beginnenden Teenie-Jahren, interessierte ich mich natürlich auch für die doch oft recht attraktiven,  männlichen und athletischen Kerle. Huuu….wenn die mit den Muskeln spielten, DAS beeindruckte mich. (Da kam dieses typisch konditionierte „Frauchen-Verhalten“ des „beschützt werden Wollens“ durch!!!) Wusste ich aber damals noch nicht.) Und irgendwie hat das Interesse für den Boxsport bis heute angehalten. Aber nicht mehr so vehement. Es gibt nur noch wenige Boxer, die ich auch sehen will. Und dazu gehört halt auch der Wladimir Klitschko, der gestern Abend in London seinen Kampf bestritt.
Ich kann mich noch erinnern, wie ich früher aufgestanden bin, wenn das ZDF, oder ARD einen Kampf vom Ali des Nachts übertrug. Ich sehe mich noch sitzen. Ich war damals, mit siebzehn Jahren das erste Mal umgezogen und wohnte bei meinem Freund in Schmiedefeld. Wir hatten dort ein Haus für uns. Es hatte seiner Oma gehört, und DIE war in den Westen gegangen.
Aber zurück zum Herrn Wladimir.
Ich habe seine Karriere von Anfang an verfolgt. Erinnere mich noch an den Moment, wo er in Deutschland angekommen war. In Hamburg aus dem Flugzeug stieg und seine Karriere im Boxstall von....ich weiß nicht mehr, wie er hieß……begann. Kann mich noch gut daran entsinnen, wie er die Gangway runter kam und deutschen Boden betrat. Damals dachte ich WOW! Was für ein attraktiver Mann! Genau mein Gesicht! Jede/r hat da ja so seine bevorzugten Typen. Seine „Herr“-lichkeit hatte mich damals ganz schön getroffen - aus den "Socken" gehauen-, obwohl er doch noch nicht einmal bekannt geworden war. Aber das war mir völlig egal. Ich war fasziniert von diesem Mann! Und so verfolgte ich jeden Bericht, welchen das Fernsehen von ihm zu bieten hatte. Boxen war ohnehin schon immer irgendwie „mein Ding“. Zum „Anschauen“ natürlich! Und heute kann ich sagen, dass ich auch vom Sport selbst was verstehe. Ich brauche mir bloß eine Runde anzuschauen, und kann dir sagen, wer gewinnt…was dann zu gut 90 % zutreffend ist. Ich könnte jede Menge Kohle machen, würde ich tatsächlich „Wetten“ abschließen. Trifft mittlerweile auch für Tennis zu.
Aber zurück zum Kampf vom Herrn Wladimir gestern Abend.
Frau sollte auch an dieser Stelle ihrem Bauchgefühl vertrauen. Aber auch der Erfahrung und dem doch irgendwie auch langem Kennen von diesem Mann ( da Karriere explizit verfolgt!) DENN, als er das Stadion betrat und sein Einmarsch begann, kam ich noch umgehend ins Stutzen und Grübeln. SO hatte ich ihn noch NIE zu einem Kampf gehen sehen!!! Da, zu diesem Zeitpunkt, war für mich schon klar, dass irgendetwas nicht in Ordnung war. War er vielleicht gesundheitlich angeschlagen? Dachte ich mir so. Denn sein Kopf war gesenkt und der Blick haftete fast permanent auf dem Boden. Auch seine Körpersprache verriet mir, dass da was nicht in Ordnung war. Er wirkte so klein mit seinen 1.98 Metern und auch gealtert.
Ich verwarf meine Gedanken und schrieb meine Eindrücke der womöglich unvorteilhaften Kameraeinstellung zu. Als ich die beiden dann im Ring so sah und explizit zu Mitte der ersten Runde, sprach ich‘s aus. „Der Schwarze gewinnt.“ (Und so war es dann auch!)
Bereits zu DER ZEIT war mir klar, dass der Klitschko verliert.
Und im Nachhinein denke ich mir, das Ganze war „getürkt“!!!! Mann/Frau brauchte doch nur einmal genau hin zu sehen! Wenn man ein wenig Ahnung hat, erkennt man das. Aber gut, die meisten Leute wollen eine „gute Show“….nichts weiter. Sie sehen, was sie sehen wollen(!!!). Darüber hinaus ist alles andere uninteressant. Nur der Gewinner zählt. So läuft’s halt im Kapital orientierten Patriarchat!
Und um mal noch etwas zum Kampf zu sagen, die Verletzung vom Klitschko, zu dieser frühen Zeit, war nicht so geplant. Denn der andere, ich nenne ihn mal so, den anderen, hat (für den aufmerksamen (Kenner) Beobachter) Zeichen mit dem Kopf gegeben, dass der Klitschko doch bitte zuschlagen solle/möge und mit einem Mal, so beinahe aus dem Nichts heraus, aus eigentlich fast unerfindlichen Gründen, taumelte er, der andere, (und simulierte (meiner Meinung nach), dass er angeschlagen war). Er ließ sich dann sogar ein paar Mal treffen und fiel zu Boden. So hatte der Klitschko Zeit, wieder zu sich zu kommen, DENN der Kampf (die Show) durfte(!!) noch nicht zu Ende sein. (Ich glaube die Rundenzahl war festgelegt.) Und die so aufgebaute Dramatik lässt grüßen. Aber okay. Jeder sieht, was er sehen will. Oder interpretiert, was er/sie möchte. Man kann alles Mögliche in Ereignissen/Geschehnissen, oder auch Boxkämpfen sehen. Was jede/r für die „Wahrheit“ hält, ist…..d-e-h-n-b-a-r.
Und wenn man es mal ganz nüchtern (rein Kapital und Show orientiert) betrachtet, der Klitschko musste kämpfen. Es ging um die „Gürtel“ und um den Titel und bei neunzigtausend Zuschauern um jede Menge Geld (!). Er wollte es wohl auch noch einmal wissen, wie das bei den meisten Boxern so ist. Warum auch nicht. Aber der Krug geht immer zum Wasser, solange bis er bricht und Klitschkos Karriere dauert ja nun schon eine Weile. Sie beiden Brüder standen lange, lange Zeit, ohne sich vor irgendwem fürchten zu müssen, an der absoluten Spitze. Niemand konnte ihnen das Wasser reichen. Aber irgendwann ist auch DAS zu ende. Und Mann sollte doch lieber abtreten, bevor der Absturz beginnt. Andere Boxer haben das auch mehr oder weniger gut gemeistert. 
Die Engländer haben nun offenbar ein, oder zwei Boxer, die die Nachfolge-r  sein könnten.
Zu all dem kommt noch die „politische Komponente“ hinzu.
Die Ukraine ist im Augenblick nicht angesagt. Und wenn ein „Dunkelhäutiger“ gewinnt, ist das doch politisch echt angepasst….konform, korekt....so zu sagen.
Man muss auch mal dran denken, dass die Klitschkos in ihrer Heimat politisch engagiert waren und was dann so in den Medien darüber zu lesen war. Bzw aufgedekct wurde. Beim letzten Kampf vom Wladimir (wurde er (vielleicht deshalb sogar) fast ausgebuht) waren die Zuschauer eher wenig begeistert von ihm. Nicht so wie sonst. Ist ja auch schon eine Weile her. 17 Monate etwa. In den social medias war zu lesen, dass der Vitali in einige unschöne Dinge verstrickt gewesen sein sollte. Na ja. Wer weiß. In dieser schnelllebigen Zeit ist das schon längst wieder....abgehakt. Vergessen.

Tja nun, wer weiß. Der Wladimir tat mir gestern echt mal leid. Ihn SO zu sehen, war echt (Scheiße!) nicht schön ………Für ihn muss es eine Demütigung von Beginn an gewesen sein (zu wissen, dass man verliert). Denn ich vage wirklich zu behaupten, dass es KEIN Zufall war, dass ein Engländer (?) in England, bei einem derart aufgepimpten Event verlieren kann. Es war von Anfang an klar….WER gewinnt. Deshalb auch, um zum Auftakt zurück zu kommen, der gesenkte Kopf und der doch (für mich) recht auffällig traurige Blick. Er wusste (ganz genau) WAS kommt. Denn es ist nicht seine Art, SO in einen Kampf zu gehen. Er schritt immer festen, fokussierten Blickes mit angespanntem, aufrechtem (heroisch wirkenden) Gang in den Ring. So einen depressiven Blick, als hätte er bereits verloren, hatte ich noch beim keinem  Einmarsch von ihm gesehen. Er war immer siegessicher und stolz. (DAS, was da gestern die Arena betrat, war eher ein Häufchen Elend noch…..bevor der Kampf begann. Meine Meinung……)
Aber egal. Der Wladimir hat’s trotz alledem geschafft. Ist Millionär und hat sogar einen privaten Jet. Da muss (Frau) man nicht weinen oder traurig sein. Im Grunde geht es ihm doch super. Viel besser als den meisten anderen….Menschen  auf diesem Planeten. Er hat sogar eine amerikanische Schauspielerin abbekommen und auch wenn die Medien was anderes sagen, sie war eher unbekannt und hat sich in Klitschkos Ruhm und Bekanntheitsgrad gesonnt. So meine Meinung……..
Aber genug davon!

…..und jetzt…..
lasst uns Beltane feiern!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!



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